Kreisstelle Cham: Wirte starten Bierdeckel-Kampagne

Lesenswerter Bericht der Mittelbayerischen Zeitung Cham über die Jahreshauptversammlung der Kreisstelle Cham am 6. November in Stamsried

Bild links: Bezirksgeschäftsführer Ulrich J. Korb (2.v.l.) geht am Jahresende nach 33 Jahren Verbandsarbeit in Ruhestand. Kreisversitzender Andreas Brunner (l.) sowie seine Vorstandschaftskollegen Christian Kienberger und Heinz Pusl (r.) haben Korb dafür mit einem Überraschungsgutschein Respekt gezollt.

Bild rechts: Der Amberger Hof in Bad Kötzting ist seit 50 Jahren im Verband: Kreisvorsitzender Brunner (r.) überreicht Hans Amberger die Urkunde. Fotos: R. Schlecht

Das Wirtshaussterben auf dem Land ist Fakt, einer, der selbstredend den Mitgliedern der Kreisstelle des Bayerischen Hotel- und Gaststättenverbandes DEHOGA Bayern auf den Magen schlägt. „Dorf für Dorf ohne Wirtshaus“ – das sei fürwahr ein trübes Bild, stellt Kreisvorsitzender Andreas Brunner fest. „Was nützen all die schönen Hotels, wenn man keine Wirtshäuser mehr hat, in denen man einkehren kann?“ Was die Wirte gleichsam belastet, ist die Debatte um die Mehrwertsteuer in der Gastronomie, jene Steuer, die mit unterschiedlichen Sätzen (einmal 19, dann 7 Prozent, dann wieder so, dann andersherum, und so weiter) ein „Wirrwarr“ sei.

Steuer auf Breze – mal so, mal so

Der Steuer-Problematik hat sich bei der Jahreshauptversammlung der Kreisstelle im Gesundheits- und Wellnesshotel Pusl, Stamsried, DEHOGA-Bezirksgeschäftsführer Ulrich J. Korb angenommen. Mit einem Quiz führt er die unterschiedlichen, teils hinten und vorne nicht nachvollziehbaren Steuersätze vor Augen. So werde etwa das Wildschwein mit 19, das Hausschwein aber mit 7 Prozent besteuert. Die Breze, die ein externer Anbieter aus dem Bauchladen heraus im Bierzelt verkauft, werde mit 7 Prozent versteuert, jene Breze, die vom Festwirt angeboten wird, allerdings mit 19 Prozent. Beispiele dergleichen, sagt Korb, gebe es zuhauf. „So aber kann’s nicht weitergehen.“ Der DEHOGA hat deswegen eine Kampagne gestartet, und zwar mit Bierdeckeln, die zur Versammlung im Hotel Pusl bereits aufgelegt worden sind, mit der Ansage an die Mitglieder, diese „unter die Gäste zu bringen“. Nach Ansicht des DEHOGA bedeutet der volle Steuersatz (19 Prozent) für die Gastronomie einen knallharten Wettbewerbsnachteil, insbesondere gegenüber dem Lebensmitteleinzelhandel, der sein Sortiment verzehrfertiger Essensangebote signifikant ausgeweitet habe und weiter ausbaue.

DEHOGA teilt auf seiner Website weiter mit: Für diese Angebote zum Mitnehmen würden nur 7 Prozent Mehrwertsteuer gelten, für die Speisen im Restaurant jedoch 19. DEHOGA zufolge wäre es in vielfacher Hinsicht konsequent, den reduzierten Mehrwertsteuersatz für alle Speisen in der Gastronomie in Deutschland einzuführen. Dies würde nicht nur den global einzigartigen Steuer-Wirrwarr beenden, sondern hätte die längst überfällige Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit der Gastronomie gegenüber anderen Branchen zur Folge. Der DEHOGA werde weiterhin sachlich und konstruktiv die Beseitigung dieser massiven Wettbewerbsbenachteiligung einfordern. Dazu Ulrich J. Korb in Stamsried: Es könne nicht schaden, den Mut zu haben, auch Gäste in die Diskussion über die uneinheitlichen Steuersätze zu verwickeln. Gleich, wer künftig in der Bundesregierung das Sagen hat, laut Ulrich J. Korb ist es höchste Eisenbahn für eine Steuerreform, „um das Kladderadatsch auf ein Level zu bringen“.

Kreisvorsitzender Andreas Brunner, Arnschwang, seine Kollegen aus der Vorstandschaft und in Stamsried versammelten Mitglieder sind nicht nur an diesem Punkt bei Ulrich J. Korb. Brunner beleuchtet bei der Gelegenheit die Zukunft der Betriebe im Verband. Er wird deutlich: „Wir werden uns in der Zukunft nur an der Qualität orientieren.“ Die Zukunft habe längst begonnen. Insofern beschäftigten sich Hoteliers und Gastronomen mit der Digitalisierung. Kaum, dass der Gast im Quartier sei, erkundige er sich auch schon nach dem WLAN. Andreas Brunner warnt: „Ohne perfektes WLAN auf dem Zimmer haben wir ein Problem.“ Ins selbe Horn stoßen Bürgermeister Herbert Bauer und Tourimusreferent Albert Seidl, Landratsamt. Seidl: „Die Gäste wollen Qualität“, und das mobile Internet im Urlaub sei definitiv ein Qualitätsmerkmal. Das allein reiche aber nicht. Qualität sei das eine, Emotionen wecken beim Gast das andere. Darüber sind sich Brunner, Bauer, Seidl und Kollegen einig. Korb hat noch diesen Appell: „Konzentrieren Sie sich darauf, was Maschinen nicht können“. Seidl vollendet den Gedanken: Ein netter Plausch mit dem Gast, „das kann kein Computer der Welt leisten“.

Mit Modulen Nachwuchs fördern

Dazu gilt’s die „Ausbildung“ zu fördern. Ausbildungsbotschafterin Manuela Heizler sagt: „Wir machen unseren Weg.“ Beispiel dafür sei der Arbeitskreis, worin die Berufsschulen Cham und Viechtach an einem Tisch sitzen, etwa, um sogenannte Module zu erarbeiten. Ein Modul sei die Weiterbildung zum „Weinfachmann“; das klinge innovativ. Es gehe schließlich darum, jungen Leuten in der Gastro Perspektiven über die Ausbildung hinaus zu ebnen. Module „kommen der Ausbildung zugute, damit uns die Nachwuchskräfte erhalten bleiben.“ Der Nachwuchs hat’s also drauf, und wird die Branche einer breiteren Öffentlichkeit vor Augen führen, beim Event am 3. Dezember im L.A. Cham.

Den Wirten muss also nicht bange sein. Der Tourismus sei im Landkreis Cham eine „Job-Maschine“, mit laut Albert Seidl rund 4000 Vollzeitarbeitsplätzen. Das Gebot der Stunde lautet: dranbleiben, sich weiterentwickeln, noch besser werden.

Artikel vom 9. November 2017 Mittelbayerische Zeitung – Region Cham, Rupert Schlecht