Österreich hat seine Arbeitszeitregeln gelockert, womit ein Zwölf-Stunden-Tag künftig einfacher möglich ist. Während die österreichischen Unternehmer bislang auf Vereinbarungen mit dem Betriebsrat oder das OK von Arbeitsmedizinern angewiesen waren, ist dies ab 1. September nicht mehr der Fall. Arbeitnehmer haben jedoch die Möglichkeit, die längere Arbeitszeit ohne Angabe von Gründen abzulehnen. Aus Sicht der Regierungskoalition erhöht das neue Gesetz die individuelle Wahlfreiheit: "Wenn Arbeitnehmer wollen, können Sie mehr arbeiten und bei vollen Zuschlägen mehr Geld verdienen oder mehr Freizeitblöcke in Anspruch nehmen." Die EU-Arbeitszeitrichtlinie erlaubt Zwölf-Stunden-Tage und 60-Stunden-Wochen unter der Bedingung, dass die Arbeitszeit innerhalb von 17 Wochen durchschnittlich 48 Stunden pro Woche nicht übersteigen darf. Insofern stehen Zeiten mit langer Arbeitszeit also generell freie Tage oder Wochen mit weniger Arbeit gegenüber. Die Zustimmung im Parlament erfolgte trotz Protesten insbesondere der Gewerkschaften gegen das Vorhaben in den vergangenen Wochen.
„Die politischen Entscheidungsträger in Deutschland können sich nicht weiter der überfälligen Flexibilisierung des Arbeitszeitgesetzes verschließen“, reagierte DEHOGA-Hauptgeschäftsführerin Ingrid Hartges auf die Entwicklungen im Nachbarland. „Wir erwarten, dass auch hierzulande für alle Betriebe und Mitarbeiter Lösungen geschaffen werden. Politik und Gewerkschaften müssen endlich einsehen, dass sich die Lebenswirklichkeiten verändert haben und die aktuellen Regelungen nicht mehr zeitgemäß sind. Zeigt sich nicht gerade auch im politischen Berlin oft genug, dass man seine Mitarbeiter nicht einfach nach zehn Stunden nach Hause schicken kann, wenn z.B. die Verhandlungen noch nicht vorbei sind? Wir benötigen mehr als die im Koalitionsvertrag vorgesehenen Experimentierräume! Denn diese sollen nur Betrieben mit Betriebsrat vorbehalten sein. Ein in der Politik gern verwendetes Zitat von Kurt Schumacher lautet ‚Politik beginnt mit dem Betrachten der Wirklichkeit‘. Und genau dazu fordern wir sie auf. Konkrete Lösungsvorschläge wurden unterbreitet. Fehlende Flexibilität bei der täglichen Höchstarbeitszeit stellt eines der Haupthindernisse für eine intelligente, an den Bedürfnissen von Gästen, Mitarbeitern und Unternehmen orientierte Arbeitszeitgestaltung in Hotellerie und Gastronomie dar – das muss sich endlich ändern und dafür werden wir weiter kämpfen!“