(München) Der Bayerische Hotel- und Gaststättenverband DEHOGA Bayern und der Bayerische Heilbäder-Verband (BHV) haben vom Bund und von der Staatsregierung mehr Unterstützung für den Tourismus und die Gesundheitswirtschaft im Freistaat gefordert. Auf einer Pressekonferenz im Münchner Presseclub stellten beide Verbände dazu erstmals ihren gemeinsam erarbeiteten Forderungskatalog vor. „Wir sehen großen Handlungsbedarf hinsichtlich der Steuerpolitik sowie Defizite in der bayerischen Landesentwicklung“, sagte DEHOGA Bayern-Präsident Ulrich N. Brandl. „Der Tourismus ist ein strategisch wichtiger Wirtschaftsfaktor in Bayern, dessen völlig unterschätzter Bedeutung auf allen Ebenen mehr Rechnung getragen werden muss.“
Der BHV-Vorsitzende Klaus Holetschek bezeichnete es als groben Fehler, dass der Tourismus, Heilbäder und Kurorte im Entwurf des Landesentwicklungsprogramms 2012 gestrichen wurden. „2011 verzeichneten die Heilbäder über 22 Millionen Übernachtungen und mehr als 65 Millionen touristische Aufenthaltstage. Wir haben 3,7 Milliarden Euro Bruttoumsatz und einen Steuerrückfluss von 400 Millionen Euro generiert. Wir stehen für 100.000 Arbeitsplätze im ländlichen Raum. Die Gesundheitswirtschaft in Bayern hat über 800.000 Beschäftigte und über 40 Milliarden Euro Jahresumsatz. Dass diese Aspekte in einem Landesentwicklungsprogramm fehlen, können wir nicht hinnehmen.“ Holetschek und Brandl forderten die Staatsregierung auf, den Tourismus als Wirtschaftsfaktor in Bayern und wirtschaftliche Säule des ländlichen Raumes wieder in das LEP aufzunehmen.
Reformen in der Umsatzsteuer gefordert
Beide Verbände sehen bei der Umsatzsteuer für das Gastgewerbe dringenden Handlungsbedarf. „Nicht nur aus Gründen der Wettbewerbsgleichheit, sondern auch vor dem Hintergrund des Aspekts einer gesunden Ernährung muss endlich die Wettbewerbsverzerrung abgeschafft werden. Denn der Staat unterstützt mit dem Steuersystem ungesundes Essen“, so Ulrich N. Brandl. „Bietet ein Caterer Pommes und ähnliches Fast Food an, gilt der reduzierte Umsatzsteuersatz von 7 Prozent. Gibt es Hähnchenfleisch mit Fruchtspießchen oder Forellenfilet, wird der Gast mit 19 Prozent bestraft. Beim Essen im Stehen wird der reduzierte Satz angewendet, setzt sich der Gast hin, wird der volle Steuersatz fällig. Diese unterschiedliche Handhabung widerspricht dem Grundsatz einer gesunden Ernährung, ist nicht vermittelbar und stellt eine Wettbewerbsverzerrung dar. Deshalb braucht die gesamte Gastronomie den ermäßigten Steuersatz.“
Hiervon würde auch der Staat profitieren, Brandl wörtlich: „Die Voraussagen von Kritikern des Wachstumsbeschleunigungsgesetzes, dass die Reduzierung der Umsatzsteuer auf Beherbergungsdienstleistungen zu Steuerausfällen und Mindereinnahmen führen werde, wurden angesichts des erwarteten Steuereinnahmen-Rekords nachweislich Lügen gestraft. Vielmehr ist das Gegenteil der Fall. Und dieser Effekt würde bei fairen Bedingungen auch für die Gastronomie und somit für das gesamte Gastgewerbe noch um ein Vielfaches übertroffen werden.“ Der BHV-Vorsitzende Klaus Holetschek forderte die Politiker aller Parteien auf, die Umsatzsteuersenkung für die Hoteliers vom Januar 2010 nicht andauernd in Frage zu stellen. „Diese Senkung war auch für die Heilbäder und Kurorte wichtig. Wir erwarten hier Verlässlichkeit der Politik.“
Fachkräftesicherung und ein Bündnis für gesunde Mitarbeiter
DEHOGA Bayern und der BHV rufen die Politik, Wirtschaft, Krankenkassen und Gewerkschaften zu einem breiten „Bündnis für gesunde Mitarbeiter“ auf. „Gesunde Mitarbeiter sind das größte Kapital eines Unternehmens“, so Klaus Holetschek. „Der Demografische Wandel zeigt schon jetzt Auswirkungen - mit Zivilisationskrankheiten wie Adipositas oder Diabetes.“ Nach einer Studie von Booz & Company aus dem Jahr 2011 sind 30 bis 40 Prozent der Arbeitsunfähigkeitszeiten durch eigene Maßnahmen der Unternehmen vermeidbar. Der Prävention komme deshalb eine große Bedeutung zu. Geradezu kontraproduktiv sei der massive Rückgang an ambulanten Badekuren von bundesweit 900.000 Mitte der 90er Jahre auf rund 68.000 im Jahr 2011. „Wir brauchen klare Vorgaben der Politik. Die Kur muss unter bestimmten Voraussetzungen zu einer Pflichtleistung der Kassen werden. Die Kassen müssen weg von der Finanzierung der Krankheit, hin zur Finanzierung der Gesundheit.“
Ulrich N. Brandl appellierte an die Staatsregierung, mit einer Imagekampagne die Gesundheitswirtschaft und den Tourismus in Bayern zu stärken. „Der Tourismus findet in öffentlichen Stellungnahmen und Reden viel zu wenig statt – trotz seiner hohen wirtschaftlichen Bedeutung mit 31 Milliarden Euro touristischer Wertschöpfung und 560.000 Erwerbstätigen allein in Bayern.“ Für die Sicherung des Fach- und Arbeitskräftebedarfs sei eine Gesamtstrategie von Politik und Wirtschaft erforderlich. „Das extrem personalintensive Gastgewerbe mit seinem hohen Anteil dual ausgebildeter Fachkräfte, den besonderen Anforderungen an die Mitarbeiter, seinen vielen Kleinbetrieben und der angespannten Ertragslage steht hier vor besonderen Herausforderungen“, so Brandl.
Ländlicher Raum
Brandl und Holetschek verwiesen auf die zentrale Bedeutung des ländlichen Raums in Bayern. Hier leben über 8 Millionen Menschen. Um hoch qualifizierte Arbeitnehmer im ländlichen Raum zu halten, sei ein Gesamtpaket nötig, das die beruflichen Perspektiven verbessere und attraktive Verdienstmöglichkeiten schaffe. „Hier müssen wir von einer Ballungsraumzulage auf einen Zuschlag für den Regionalen Raum umdenken“, so Brandl. „Außerdem brauchen wir dringend Bildungseinrichtungen für touristische Berufe in der Fläche.
Bund und Länder sind gefordert, das erfolgreiche duale System zusichern, z.B. durch einen praxisnäheren Berufsschulunterricht und effektive Unterstützung von Betrieben.“
GastroManagementPass
Beide Verbände begrüßen die Einführung desGastroManagementPass. Diese Zertifizierung ist ein Instrument zur Sicherung der bestehenden Hygiene- und Qualitätsstandards des bayerischen Gastgewerbes. Sie vermittelt dem Endverbraucher, dass der Betrieb qualifiziert ist und in den Bereichen Hygiene, Recht, Unternehmensführung und Service-Qualität fundierte Kenntnisse aufweisen kann.
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