Genuss mit Geschichte? Die Wirtshauskultur in Bayern im Wandel.

DEHOGA Bayern-Präsident Ulrich N. Brandl, Bezirksvorsitzender Franz Bergmüller und MdL Martin Huber zeigen Bedeutung des Gastgewerbes auf

 

(Mehring) „Das Wirtshaus ist eine Institution mit langer Tradition in Bayern. Es ist Teil unserer gelebten bayerischen Kultur. Es ist ein Ort der Begegnung, des Austausches und auch der Unterhaltung, es übernimmt viele wichtige soziale Funktionen“, so Ulrich N. Brandl, Präsident des Bayerischen Hotel- und Gaststättenverbandes DEHOGA Bayern, im Rahmen eines Pressegespräches im oberbayerischen Mehring. Mit ihm zusammen diskutierten zum Thema Genuss mit Geschichte? Die Wirtshauskultur in Bayern im Wandel im Gasthof Schwarz der oberbayerische Bezirksvorsitzende Franz Bergmüller, Kreisvorsitzender Konrad Schwarz und seine Stellvertreterin Sabine Detter gemeinsam mit dem bayerischen Landtagsabgeordneten Martin Huber sowie Feichtens Ersten Bürgermeister Johann Aicher.

 

„Wirtshäuser sind die Visitenkarten Bayerns“, so der Landtagsabgeordnete Martin Huber. „Das Wirtshaus gehört zu Bayern wie das Weißbier und die Lederhosn. Im Wirtshaus kommen alle Menschen am Ort, Junge und Alte, Menschen aus allen Schichten und aus den Vereinen zusammen. Sie treffen sich zum Schafkopfen oder einfach nur zum Ratschen. Unsere Gemeinden leben von solchen Orten der Geselligkeit und des Miteinanders“, fügt Martin Huber hinzu.

 

Doch diese Wirtshaustradition scheint seit vielen Jahren gewaltig an Bedeutung zu verlieren. Laut einer aktuellen Studie der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt haben viele Wirtshäuser auf dem flachen Land in den letzten Jahren ihre Türen geschlossen. „Wo die Wirtschaft stirbt, stirbt der Ort“, so die Kernthese. Zu einem ähnlichen Ergebnis kommt der jüngst vorgelegte Betriebsvergleich des Deutschen Wirtschaftswissenschaftlichen Instituts für Fremdenverkehr an der Universität München (dwif): „Zu massiven Bereinigungen kam es erneut bei Gasthöfen und Schankwirtschaften (…). Da dieser Betriebstyp für die gastronomische Grundversorgung von großer Bedeutung ist, gibt diese Entwicklung mit Blick auf eine geringere Versorgungsdichte strukturpolitisch zu denken.“

 

„Wir wollen die vielen positive Beispiele unterstützen und hervorheben um anderen Mut zu machen“, betonte Brandl. Getreu dem Motto „Wo Wirtshäuser leben können, hat auch der ländliche Raum eine Chance!“ erarbeiteten die Teilnehmer Antworten auf Fragen, wie „Kann und soll dagegen etwas unternommen werden?“ oder „Wie stemmt man sich gegen den negativen Trend?“.

 

Die Verwendung regionaler Produkte im saisonalen Wechsel, das Erschließen von zusätzlichen Absatzmärkten durch Catering, die Zusammenarbeit mit Vereinen, die mittägliche Verpflegung von Kindergarten- und Schulkindern oder das konsequente Ausrichten an den Bedürfnissen der jeweiligen Zielgruppe sind dabei nur einige Aspekte, die seitens der Wirte umgesetzt werden können.

Bergmüller forderte die Politik auf, die Rahmenbedingungen für den Erhalt der bayerischen Wirtshauskultur auf den Prüfstand zu stellen: „Hier gibt es die unterschiedlichsten Ansatzpunkte, um Dorfwirtschaften zu unterstützen. Allen voran müssen zwingend gleiche Rahmenbedingungen bei allen gastronomischen Betätigungen, ob von Wirten oder Vereinen und Organisationen herrschen, auch ist ein einheitlich reduzierter Steuersatz für das gesamte Gastgewerbe Voraussetzung für den Fortbestand der Wirtshaustradition.“ Zudem dürften immer mehr Auflagen und Dokumentationspflichten nicht dazu führen, dass es immer weniger Betriebe gibt, in denen sie angewendet werden könnten.

 

„Wenn die Dorfwirtschaft schließt, bricht oft auch der soziale Treffpunkt für die Menschen im Ort weg. Für Vereine und Versammlungen, aber auch für familiäre Feierlichkeiten fehlt dann die Basis“, erklärt Martin Huber, der deshalb zusammen mit anderen Abgeordneten einen Antrag zur Erhaltung von Dorfwirtschaften in den Bayerischen Landtag eingebracht hat. Darin wird gefordert, dass Bürokratiehürden für Dorfwirtschaften abgebaut und Dorfgaststätten zum Beispiel im Rahmen der Städtebauförderung und Dorferneuerung besonders gefördert werden.

 

Brandl: „Aller Ideenreichtum und Können der Wirte sind zwar wichtige Voraussetzung für einen erfolgreichen Betrieb, ohne faire Wettbewerbsbedingungen kann jedoch auf Dauer kein Konzept wirtschaftlich aufgehen.“ So schloss er sich in seinem Fazit der Einschätzung der Wissenschaftler des dwif an: „Die Einführung des ermäßigten Mehrwertsteuersatzes (…) wäre für Gastronomiebetriebe zumindest genauso notwendig gewesen.“

 

„Das Wirtshaus als soziale Institution, als Ort der Geselligkeit und des blühenden Lebens unserer Gemeinden müssen wir weiter fördern und unterstützen!“, appelliert Martin Huber auch an die Menschen vor Ort.

 

 

Tourismus in Zahlen

 

Bayern ist nach wie vor die beliebteste Tourismusdestination Deutschlands. Der Jahresumsatz beträgt über 31 Milliarden Euro, rund 560.000 Menschen verdienen ihr Einkommen im Tourismus. Hotellerie und Gastronomie bilden das Rückgrat der bayerischen Leitökonomie Tourismus. Für rund 354 000 Beschäftigte bietet die Branche im Freistaat Arbeit, das entspricht über 7 Prozent aller Arbeitsplätze Bayerns. Darüber hinaus befindet sich mit 11.500 Auszubildenden nahezu jeder zehnte bayerische Ausbildungsplatz in einem Hotel oder einem Gastronomiebetrieb.

 

Neben der großen Bedeutung der Branche als Ausbilder und Arbeitgeber, gibt es eine weitere Besonderheit: Das Gastgewerbe bietet seine Arbeits- und Ausbildungsplätze bis in den letzten, oftmals strukturschwachen Winkel Bayerns hinein an, in Regionen, aus denen sich andere Industrien und Dienstleister längstens zurückgezogen haben.

 

 

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